Wann ist ein Copycat bekannter als das Original?

Im folgenden beziehe ich mich mit der Leitfrage auf die deutschen Seiten. Deutsche Web 2.0 Seiten, nennen wir es milde ausgedrückt, orientieren sich ja leider des Öfteren an amerikanischen Vorbildern. Die Copy&Paste-Mentalität ist dort leider schon mehr oder weniger negativ aufgefallen. Nichtsdestotrotz gibt es jedes Mal erneut ein deutsches Pendant, wen ein neues Startup erfolgreich ist.

Viele eingefleischte Web-Zwei-Nuller bleiben aber meistens beim Original und nicht beim Copycat wie im Fall von Twitter, Digg oder flickr. Doch es gibt auch Ausnahmen, wo die deutschen Copycats hierzulande erfolgreicher sind, was jüngste Statistiken zeigen.

Doch warum ist das so, frage ich mich. Speziell am Beispiel StudiVZ ist ein deutlicher Trend in Richtung Copycat-Erfolg. Nutzerzahlen und Bekanntsheitsgrad sind in Deutschland stärker als das amerikanische Original Facebook, an dem sich StudiVZ und sämtliche anderen Social Networks, die nach dem selben Prinzip aufgebaut sind, orientieren. Von Facebook sprechen eigentlich nur die “Insider”, diejenigen, die das Web 2.0 (fast) von Anfang an kennen, die bloggen etc.

Facebook ist derzeit also derzeit mehr noch ein “Insider”-Social Network, meist fernab von Schülern, Studenten und den meisten anderen Jugendlichen. Doch warum ist das so?

Zug verpasst

Ein Grund, den man immer wieder findet, ist das Facebook die Einführung einer lokalisierten Version verschlafen hat und deshalb unter ferner liefen schwimmt. Als Facebook noch “schlief”, gelang es StudiVZ, dem wohl bekanntesten Pendant, durchzustarten und sich hierzulande einen Namen zu machen und bekannt zu werden. Anfangs ebenfalls noch ein “Insider” an einigen Unis, wie ich so mitkommen habe, entwickelte es sich dank viralen Marketing rasend schnell und wurde bekannt in diesen Kreisen. Mittlerweile findet man zwar bei StudiVZ, ursprünglich ja für Studenten gedacht, zwar mehr Schüler, Jugendliche und andere, von denen, so behaupte ich, die meisten noch nie eine Uni von innen gesehen haben, doch das scheint bzw, schien keinen groß zu stören.

Was einmal klappt, das klappt und dreimal, oder?

Da man dann aber zu dem Entschluss kam, das verworrene Netz zwischen Schülern, Jugendlichen und Studenten zu trennen, machte man einfach noch zweimal copy&paste und zog auch noch SchuelerVZ und MeinVZ hoch, um sämtliche Altersklassen erreichen zu können. Interessiert scheint das aber wenige zu haben, ohne die genauen Zahlen jedes “einzelnen” VZs zu kennen, denn sitzt man im Zug, sitzt in der Berufsschule oder hört sonst irgendwo Leute drüber reden, dann heißt es “Hab dich gestern bei StudiVZ geaddet”, “Bist Du bei StudiVZ?” oder “Ich habe gestern auf deine Pinnwand bei StudiVZ” geschrieben.

Spricht man die Leute mal an, fragt, warum sie bei StudiVZ sind und ob sie schonmal gehört haben, das StudiVZ im Grunde nur eine Kopie von Facebook ist, zu erhält man meistens die Antwort, dass

  • entweder ja alle Freunde bei StudiVZ seien und man deshalb auch dort sei und nicht bei Facebook
  • oder die Leute Facebook überhaupt nicht kennen, StudiVZ wandelt sich “imaginär vom Copycat zum Original”
Andere Dienste

Warum ist das nicht bei anderen Diensten so. Praktisch jeder Dienst hat sein deutsches Gegenpendant. Deutsche “YouTubes” gibt es in Form von MyVideo, Clipfish und Sevenload (obwohl Ausnahme, da Kombination von Video und Fotos, also eher etw. separat zu betrachten). Flickr hat Photocase oder auch Sevenload. Twitter erhielt gleich zu Beginn gleich dutzende “eingedeutschte” Versionen wie frazr, wamadu, sloggen, texteln etc. etc.

Warum ist hier dieses Erfolgskonzept anscheinend nicht aufgegangen? In meinen Augen wäre ein nicht unbedeutender Grund die Ursache: Die Zielgruppe. Wir dürften uns einig sein, wenn ich behaupte, dass StudiVZ bspw. (größtenteils) von einer ganz anderen Zielgruppe genutzt wird, als bspw. Twitter. Twitter ist sehr “geekig”, selbst viele Blogger halten von dem Dienst nichts, kennen den Dienst aber meistens. Die deutschen Copycats, über die man vor einem guten Jahr noch hier und dort las, sind fast vergessen, nirgends wird dort mehr drüber geschrieben, einige gibt es nicht mehr, ein paar werden noch genutzt.

StudiVZ hingegen wird von vielen Leuten genutzt, denen der Begriff “Web 2.0” meist gar nichts sagt, die auch andere Dienste nicht nutzen. Es geht nur um die schnelle Vernetzung zwischen Mitschülern, –studenten oder in den meisten Fällen einfach Jugendliche, die sogenannte “digitale Generation”. “Social Networking” selbst dürfte meist kein Begriff sein, wenngleich es aktiv betrieben wird. Die einfache Form eine Vernetzung, neue Leute kennenlernen und in verschiedenen Gruppen, zentral auf einer Seite und nicht in zig Formen, über Themen zu diskutieren.

Für mich ist dies anhand dieses speziellen Beispiels zumindest eine mögliche Begründung, dass es ein Copycat schafft, bekannter als das Original zu sein.

Twitter – The next big thing…

In der Ausgabe  07/2008 der iX wird in einem Artikel über das neueste Phänomen der Web 2.0-Kultur und erläutert dessen Funktion berichtet: Twitter. Es wird sogar spekuliert, ob Twitter vielleicht bald ähnlich wie Google Einzug im Duden halten wird (“googlen” –> “twittern”). Auch über Twitter im Unternehmenseinsatz gibt es leichte Ansätze, um eine gewisse Vernetzung zwischen Mitarbeitern zu schaffen, die von “wo gehen wir Mittags essen” bis zu hin zu den neuesten internen Mitteilungen reichen könnte.

Meines Erachtens könnte ein Twitter-System vielleicht Einzug in Programmen wie Lotus Notes halten, sprich eine 2.0-Version der “Schwarzenbrett”-Kacheln. Blogs gibt es ja bereits schon, eine Twitter-Funktion mag dann “the next big thing” sein. Meines Erachtens wird die reine Twitter-Plattform Unternehmen eher abschrecken, als anlocken. Zudem ja selbst die “eingeschworenen” Web 2.0-User, Blogger etc. Twitter eher gespalten gegenüberstehen. Die einen finden es klasse, die anderen einfach obsolet und sinnlos.

Unterm Strich kommt man in dem Artikel zu dem Schluss, dass Twitter nicht irgendein Hype ist, sondern die Kommunikation im Internet evolutionieren würde/werde und in den nächsten Jahren auch unverzichtbar werden würde.

Frank listet einige Ideen, wie Twitter sich zumindest PR-technisch nutzen lässt.

Wer followed wem auf Twitter?

Via DoesFollow.com bekomm man schneller heraus, wer wem auf Twitter folgt, dazu gibt man einfach ein, ob Person1 Person2 folgt und erhält ein “Yup” oder ein “Nope”

Auf die Frage, ob ich Robert Basic folge, erhält man die Meldung

Nettes Tool, wie ich finde, um schneller das “wer mit wem” herauszufinden, wenn es einen interessiert, aber nicht unbedingt ein Dienst, den ich zukünftig öfters nutzen würde.

Was macht Twitter für die Mehrheit interessant?

Laut trndometer, einer Umfrage von trnd, ist 40% der 1.035 Teilnehmer der Informationsfluss am wichtigsten an Twitter. Spätestens seit dem Erdbeben in China ist manchen von uns klarer geworden, wie interessant Twitter in gewissen Hinsicht doch sein kann. Robert Scoble war schneller als alle Journalisten – dank Twitter. Abgeschlagen mit 21% stehen der Unterhaltungs- und Entertainmentscharakter beim twittern im Vordergrund, gefolgt von der Kontaktpflege mit 19%.

trnd_twitter

Gut, 1.035 Teilnehmer mögen für manchen vielleicht nicht repräsentativ genug sein, dennoch ist der Trend erkennbar, dass Twitter anscheinend für viele eine Art “Überholspur” des Blogs und eine Art “Micro-Social-Networking” geworden ist. Beobachtet man bestimmte Diskussionen und Beiträge von Usern, denen man “followed”, muss ich zugeben, dass sich teilweise wirklich interessante Neuigkeiten auftun, die man vorher nicht so schnell erfahren hat – wenn man denn die Zeit dafür hat. In meinem Fall ist es so, dass ich abends, wenn ich von der Arbeit komme, twhirl im Hintergrund anwerfe und schaue, was so gezwitschert wurde von den Twitterern, denen ich folge. Schon wird schnell klar, von dem schnelleren Informationsfluss tut sich zumindest in meinem Fall da nicht viel.

Dennoch ist es interessant zu sehen, wie sich das Web erneut zu verändern scheint. Blogs, die vor gar nicht allzulanger Zeit eine neue Ära im Web begründeten, scheinen für manchen von der “Evolution” vielleicht schon überholt. Bahnt sich im Gegensatz zum Twitter-Hype ein Blog-Tiefflug an? Robert hat einige Argumente und Kommentare zusammengefasst. Mal schauen, ob ich zu der Thematik die Tage noch was schreiben werde.